Fahrtensegler auf großer Fahrt

Mit 22 bis 40 Fuß, guter Laune und ostwestfälischer Gelassenheit unterwegs in Dänemark

„Leinen los!“ – zum ersten gemeinsamen Flottentörn

„Leinen los!“ – und zwar nicht irgendwo, sondern beim ersten gemeinsamen Flottentörn der SVPB-Fahrtensegler. Ende August trafen sich die Crews in Maasholm, um gemeinsam Kurs Richtung Norden zu nehmen.

Die Planung dafür hatte bereits im Frühjahr begonnen. Es wurde beraten, geplant, erneut beraten und vermutlich auch die eine oder andere Wetter-App etwas häufiger als nötig aktualisiert. Am Ende waren neben drei Booten vom Lippesee sechs Yachten zwischen 29 und 40 Fuß dabei.

Zweimal Varianta – mit einer Woche Vorsprung

Zwei Varianta 65 vom Lippesee waren bereits eine Woche zuvor Richtung Dänische Südsee aufgebrochen. Der Gedanke war durchaus nachvollziehbar: Wer früher startet, hat vielleicht bessere Chancen auf gutes Wetter.

Allerdings machte das Wetter diesen Plan zunächst zunichte. Die beiden Boote gerieten in eine kräftige Westbrise und wurden förmlich festgehalten. Ein Weiterkommen in Richtung Maasholm war zunächst nicht möglich. So blieb nur, das Wetter auszusitzen und den anderen Crews virtuell viel Spaß zu wünschen.

Maasholm: Kaffee, Klönschnack und Windprognose

Am 29. August war Maasholm Treffpunkt für insgesamt 21 Seglerinnen und Segler. Nach der Begrüßung stand zunächst das auf dem Programm, was Fahrtensegler besonders gut beherrschen: Kaffee trinken, klönen und über Boote sprechen.

Natürlich wurden auch Törnplanung und Funkkanäle diskutiert und die verschiedenen Yachten fachkundig begutachtet. Im Mittelpunkt stand jedoch die entscheidende Frage: Wo kommt der Wind her – und wie viel davon?

Am Abend ging es gemeinsam zum Essen in die „Tonne 15“ direkt am Hafen. Ein gelungener Auftakt für den ersten gemeinsamen Flottentörn.

Eine Crew musste aufgrund beruflicher Termine bereits am Sonntag den Rückweg antreten. Immerhin passte der Wind: raumschots zurück – da konnte man nicht klagen. In Ostwestfalen würde man sagen: „Passt doch.“

Sonntag: Regen, Wind und lieber einen Gang zurück

Sonntagmorgen um 8:30 Uhr: Schiffsführerbesprechung. Der Regen war selbstverständlich ebenfalls pünktlich zur Stelle.

Die Wetterprognose ließ im Wesentlichen nur einen Kurs nach Norden mit Landabdeckung sinnvoll erscheinen. Beim Auslaufen wurde schnell deutlich, dass der Wind an diesem Tag keine halben Sachen machen wollte. Bereits im Vorhafen standen die ersten Schaumkronen. Eine 25-Fuß-Yacht blieb deshalb sicherheitshalber im Hafen.

Und ganz ehrlich: Das war vermutlich keine schlechte Entscheidung. Schließlich gilt auch beim Fahrtensegeln: Sicherheit geht vor. Ein guter Skipper zeichnet sich nicht dadurch aus, bei jedem Wetter auszulaufen, sondern dadurch, die Bedingungen richtig einzuschätzen und im Zweifel im Hafen zu bleiben.

Nach dem Passieren des Leuchtturms Kalkgrund wurden die Wellen noch einmal deutlich größer. Also hieß es: Kurs halten, Wellen aussteuern, Strömung beachten und konzentriert am Ruder arbeiten. Die Flotte segelte überwiegend nur mit gereffter Genua hoch am Wind. Trotz der anspruchsvollen Bedingungen kamen die Yachten sicher und kontrolliert voran.

Keine Regatta – aber natürlich wollte trotzdem keiner Letzter sein

Offiziell war es natürlich keine Regatta. Inoffiziell zeigte sich jedoch stellenweise ein anderes Bild. Da wurde getrimmt, gefiert, dichtgeholt und immer wieder ein fachmännischer Blick zum Nachbarboot geworfen – selbstverständlich nur, um zu überprüfen, ob dort ebenfalls alles richtig gemacht wurde.

Bei den herrschenden Bedingungen lagen die Yachten erfreulich dicht beieinander. Fast niemand musste das Fernglas bemühen, um die anderen Boote im Blick zu behalten.

Dyvig: Leinen fest und ran an den Grill

Am Nachmittag erreichten vier Boote mit insgesamt 15 Seglern Dyvig. Vor dem imposanten Fünf-Sterne-Hotel fanden sich hervorragende Liegeplätze. Auch die Grillmöglichkeiten waren bestens, und ein großes Zelt bot Schutz vor dem inzwischen vertrauten norddeutschen Wetter.

Kaum waren die Leinen fest, die Fender ausgebracht und der Landstrom angeschlossen, meldete sich auch schon die Bordtechnik. Bei zwei Booten gab es am Mast etwas zu tun. Bei einem hatte sich der Fockfallschäkel geöffnet, sodass sich die Genua nach unten verabschiedet hatte. Bei einem anderen Boot war die Lampe am Mast ausgefallen.

Für eine erfahrene Seglergruppe natürlich kein Grund zur Panik.

Mitseglerin Iris übernahm kurzerhand den Einsatz im Bootsmannstuhl und ging – selbstverständlich doppelt gesichert – in den Mast. Die Aktion verlief erfolgreich. So zeigt sich gelebte Bordkameradschaft: Eine arbeitet oben im Mast, mehrere beobachten das Geschehen und geben hilfreiche Hinweise – und am Ende funktioniert alles wieder. Der Abend klang anschließend bei bester Stimmung am Grill vor dem wunderschönen Hotel aus.

Weiter nordwärts – einer hatte noch nicht genug

Am nächsten Tag hieß es nach der morgendlichen Besprechung – erneut bei eher norddeutschem Schietwetter – wieder: Leinen los.

Franz-Josef musste sich mit der „Mädels-Crew“ auf der schnellen Hanse 320 leider in Richtung Lübeck verabschieden. Virtuell blieben jedoch alle Crews miteinander in Kontakt.

Die Flotte nahm Kurs auf die Marina Aarøsund. Eine Crew auf der Bavaria 40 hatte offenbar noch reichlich Diesel – beziehungsweise Segellust – im Tank und setzte noch einen drauf: Weiter bis Middelfart!

Die Crews fanden in beiden Häfen gute Liegeplätze und Möglichkeiten zum gemeinsamen Kochen. Und auch das gehört beim Fahrtensegeln dazu. Nach mehreren Stunden unter Segel braucht der Fahrtensegler schließlich Nahrung. Schoten müssen bedient, Segel getrimmt, Kurse berechnet und Winddreher fachkundig kommentiert werden. Das funktioniert bekanntlich besser mit einer gut versorgten Crew.

Wohin mit dem Wind?

Am nächsten Tag stand die klassische Fahrtenseglerfrage im Raum: Weiter nach Norden oder doch lieber Südost? Der Wind kam weiterhin aus Nordwest. Nach kurzer Beratung fiel die Entscheidung für Lyø. Die Überfahrt bot erneut das komplette Ostsee-Wetterprogramm: viele Schauer, sehr kräftige Böen und ordentlich Bewegung im Schiff. Im Hafen angekommen dann die Überraschung: Platz satt! Lyø war angenehm leer – von sommerlicher Hafenenge keine Spur. Und tatsächlich kam sogar die Sonne heraus. Ja, wirklich: Sonne. Einige besonders hartgesottene Segler nutzten die Gelegenheit und sprangen sogar in die Ostsee. Andere bevorzugten die ostwestfälisch-nüchterne Variante: Füße auf dem Steg lassen und erst einmal ein Anlegebier genießen. Am Abend wurde wieder gemeinsam gegrillt beziehungsweise im Hafenhäuschen gekocht. Spätestens jetzt war klar: Ein gemeinsamer Flottentörn besteht nicht nur aus Kurs halten, Segel trimmen und Meilen sammeln, sondern mindestens genauso aus gutem Essen, Klönschnack und einer ordentlichen Portion Gemeinschaft.

Zum Schluss noch einmal Wind von vorn

Am nächsten Tag blies es wieder mit 4 bis 5 Beaufort, im Boen 6, aus Nordwest bis West. Dazu gab es Schauer – quasi als kostenlose Zugabe. Die Wetterprognose für die kommenden Tage versprach noch mehr Wind und Regen. Die Entscheidung fiel daher ohne längere Diskussion: „So, dann wollen wir mal wieder Richtung Heimat.“ Zwei Crews machten sich auf den Weg zurück nach Maasholm, eine Yacht nahm 34 Kurs auf Sonderburg. Damit ging nach einem schönen Segeltag der erste gemeinsame Flottentörn der SVPB-Fahrtensegler langsam zu Ende.

Kein Törn ohne Preisverleihung: Die inoffizielle Törnpreisverleihung

Natürlich durfte bei einem solchen Törn eine kleine Preisverleihung ;-) nicht fehlen.

Preis für die beste Crew

Skipper Franz-Josef und seine „Mädels-Crew“ mit Iris und Anna. 60 Seemeilen Anreise in einem Stück – und das bei diesen Wetterbedingungen. Das verdient Respekt.

Sonderpreis für die „Mastkletterin des Jahres“

Der geht natürlich an Iris: Bootsmannstuhl, doppelte Sicherung und ab nach oben. Sicher und souverän gelöst.

Preis für die beste KI-Nutzung an Bord

Der steht Michael zu, unterwegs als Mitsegler. Im Handumdrehen wurde mithilfe der KI die Programmierung der Tri-Watch-Funktion am Funkgerät gelöst. Während andere noch im Handbuch suchen, fragt Michael einfach die KI per Foto.

Preis für die beste Bordverpflegung

Der geht an Jose, unterwegs bei Klaus auf der großen Bavaria 40. Offenbar wurde die Crew so perfekt versorgt, dass am Ende keine Beschwerden bekannt wurden. Und wer schon einmal mit einer hungrigen 6-Mann-Crew gesegelt ist, weiß: Das ist durchaus eine Leistung.

Fazit: Das war doch für die Premiere ganz ordentlich!

Trotz des teilweise anspruchsvollen Wetters war der erste gemeinsame Flottentörn ein voller Erfolg. Es wurde gesegelt, gerefft, gefiert, dichtgeholt, gekocht, gegrillt, repariert und abends im Hafen ordentlich geschnackt.

Nach dem Törn ist vor dem Törn.

Im nächsten Jahr – vielleicht in der Flensburger Förde – könnte die Wetterbestellung etwas moderater ausfallen. Nicht mehr als 15 Knoten Wind und ein paar mehr Sonnenstunden wären sicher ein guter Ansatz. Dann können auch Sharks, Variantas oder kleinere Dehler-Yachten problemlos gemeinsam mit von der Partie sein.

Bis dahin: Immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und ordentlich Druck in der Genua!

Viele Grüße, Stefan

 

 

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