Bericht zur Warnemünder Woche – Internationale Deutsche Meisterschaft der Kielzugvögel
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte dabei ein Team: Der Pirat Weltmeister und Clown Sails Gründer Frank Schönfeldt wagte sich erstmals mit einen Kielzugvogel auf eine Wettfahrt und bildete gemeinsam mit dem amtierenden Deutschen Meister (als Steuermann) Herbert Kujan als Vorschoter eine Crew. Allein diese Kombination machte deutlich, wie hoch das sportliche Niveau dieser Meisterschaft war. Am Ende reichte es für das prominente Duo dennoch „nur“ zum zweiten Gesamtrang. Ein Beleg dafür, wie ausgeglichen und stark das gesamte Teilnehmerfeld besetzt war.
Schon die Anreise war etwas Besonderes. Statt wie gewohnt auf dem Parkplatz an der Hohen Düne zu campen, wurde das Fahrerlager auf dem Kasernengelände des Marinestützpunkts Hohe Düne eingerichtet. Zwischen mehreren Fregatten zu campen, die regelmäßig ausliefen, sorgte für eine ganz besondere Atmosphäre und machte schnell deutlich, dass diese Meisterschaft anders werden würde.
Vor dem Revier hatten wir großen Respekt. Viel Wind war für uns inzwischen kein großes Problem mehr. Dafür hatten wir in den vergangenen Wochen die passende Bootseinstellung gefunden. Die offene Ostsee mit ihrer teilweise beachtlichen Welle war allerdings Neuland für uns. Unter solchen Bedingungen waren wir mit dem Kielzugvogel noch nie gesegelt.
Bereits bei unserer Anreise am Montag zeigte sich die Ostsee von ihrer rauen Seite. Starker Wind und Regen begleiteten den Aufbau und die Vermessung am Dienstag. In Böen wurden sogar bis zu 41 Knoten gemessen. Sturm! Auch am Mittwoch, dem ersten geplanten Wettfahrttag, blieb es mit deutlich über 20 Knoten Wind und bis zu 2,5 Metern Welle extrem anspruchsvoll.
Es wurde zum Unverständnis fast aller Teilnehmer angepfiffen. Die Wetterstationen in unmittelbarer Nähe zeigten Daten an, die einen Start laut Klassenvereinigung nicht zuließen. Die Wettfahrtleitung hatte laut eigener Aussage aber andere Werte, was zu noch mehr Unverständnis führte. Wo auch immer sie ihre Windmesser hinhielten. Nur zwölf Boote verließen überhaupt den Hafen. Davon kehrten 5 umgehend wieder zurück, nachdem sie nach verlassen des schützenden Hafens von der rauen Ostsee empfangen wurden. Die andere Hälfte der Crews entschied sich bereits vorher dagegen. Auch wir fassten nach kurzer Beratung früh den Entschluss, im Hafen zu bleiben und Material sowie Mannschaft zu schonen.
Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung. Der gesamte erste Wettfahrttag wurde später annulliert. Sechs Boote beendeten lediglich zwei Runden, während ein weiteres Boot die richtige Anzahl, nämlich 3 Runden vollendete. Ein chaotisches Bild, das die schwierigen Bedingungen und die Unübersichtlichkeit des Tages widerspiegelte.
Am Donnerstag hatte der Wind zwar etwas nachgelassen so dass es segelbar wurde, die Welle war jedoch noch immer beeindruckend. Weil der Vortag ausgefallen war, standen nun gleich drei Wettfahrten auf dem Programm. Bereits vor dem ersten Start kam es zu zwei schweren Kollisionen. Ein Boot wurde noch in der Vorstartphase so schwer beschädigt, dass es auf der Backbordseite ein großes Loch erhielt und bei den Bedingungen beinahe ganz vollgelaufen wäre. Ein weiteres setzte beim Start nach einer Welle mit dem Bug auf das Startschiff auf und musste die Meisterschaft ebenfalls beenden. Dadurch entwickelte sich die Veranstaltung nicht mehr zu einer klassischen Deutschen Meisterschaft, sondern zu einer Besten-Ermittlung. Das Wichtigste war jedoch: Niemand wurde verletzt.
Für uns begann der erste Regattatag dagegen vielversprechend. Wir waren früh als Erste auf dem Wasser, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen, die Wellen zu lesen, das Boot optimal einzustellen und unsere Kompasskurse anzupassen. Dieses zusätzliche Training zahlte sich aus. Stefan bewies einmal mehr seine Stärke an der Startlinie und verschaffte uns in allen Rennen hervorragende Ausgangspositionen. Mit den Plätzen 12, 10 und 13 gelang uns ein gelungener Einstieg in die Meisterschaft.
Am zweiten Tag präsentierte sich die Ostsee schließlich von ihrer schönsten Seite. Bei nahezu perfekten Bedingungen starteten wir mit einem starken achten Platz. Im 3. Rennen folgte unser Streichergebnis mit Rang 15. Besonders ärgerlich war dabei der 2. Lauf, in dem wir nach einem hervorragenden Start am Startschiff zunächst vorne lagen. Wir entschieden uns jedoch einen Tick zu spät für den Schlag auf die andere Seite des Kurses und verloren dadurch entscheidende Meter. Trotzdem konnten wir über weite Strecken mit den Top-Ten-Booten mithalten und uns mehrfach gegen höher platzierte Teams behaupten. Vor allem die Geschwindigkeit unseres Bootes stimmte und gab uns ein sehr gutes Gefühl.
Am Abend rundete der gemeinsame Klassenabend der Kielzugvögel und der Seascape 18 Klasse in einem alten Lokschuppen den Tag perfekt ab. Eine außergewöhnliche Location und ein weiterer Beweis für die tolle Gemeinschaft innerhalb der Klassen.
Am letzten Regattatag standen noch zwei Wettfahrten auf dem Programm. Diesmal fanden wir nicht in unseren Rhythmus. Die Starts gelangen uns nicht wie gewohnt, wir fanden keine guten Lücken und zusätzlich sorgte ein Massenrückruf für weitere Unruhe. Trotzdem kämpften wir uns durch den Tag und beendeten die Meisterschaft schließlich auf dem 12. Gesamtrang. Gerade einmal einen Punkt hinter Platz 11.
Mit diesem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden. In einem außergewöhnlich starken Teilnehmerfeld und unter Bedingungen, die für uns völliges Neuland waren, konnten wir uns im Mittelfeld etablieren und immer wieder mit den guten Crews mithalten. Die Warnemünder Woche hat uns gezeigt, dass wir auch auf der großen Bühne konkurrenzfähig sein können und wertvolle Erfahrungen gesammelt haben.
Nun geht es erst einmal in die Sommerpause. Nach fünf intensiven Regatten können wir mit einem guten Gefühl durchatmen, neue Kräfte sammeln und mit Vorfreude auf die letzten Regatten der Saison blicken.
Stefan und Hardy
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